NeurodivergenzMental Coaching
Fahrstunden mit ADHS: So funktioniert es wirklich
10. Februar 2026·7 Min Lesezeit
ADHS und Fahrschule – das hört sich nach Konflikt an. Muss es aber nicht sein. Wie ich Lektionen für neurodiverse Schüler:innen aufbaue und warum es so gut funktioniert.

Eine Stunde lang konzentriert auf den Verkehr achten, die Schilder lesen, den Gang wechseln, die Spiegel checken und gleichzeitig die Anweisungen der Fahrlehrerin verarbeiten – das ist für ein ADHS-Gehirn ein Marathon. Standard-Fahrschulen ignorieren das. Ich nicht.
Ich passe Lektionen so an:
**Kürzere Einheiten.** Statt 90 Minuten am Stück fahren wir oft 50 Minuten, mit einer kurzen, klar strukturierten Pause in der Mitte. Das hält die Aufmerksamkeit hoch.
**Klare Routinen.** Jede Lektion beginnt gleich: Auto-Check, Sitzposition, kurze Atmung, Lernziel besprechen. Predictability beruhigt das ADHS-Gehirn.
**Visuelle Lernhilfen.** Ich arbeite mit Skizzen, Schaubildern und kleinen Whiteboard-Erklärungen statt mit langen verbalen Erklärungen. Das spart Verarbeitungs-Energie.
**Pausen-Anweisungen.** Wenn ich merke, dass die Konzentration kippt, sage ich nicht "konzentriere dich". Ich sage: "Atme einmal tief. Wir fahren rechts ran. Eine Minute Pause."
Das Ergebnis: Schüler:innen, die in Standard-Schulen drei, vier oder fünf Mal die Prüfung nicht bestanden haben, schaffen es bei mir – oft beim ersten oder zweiten Versuch. Nicht weil ADHS verschwindet, sondern weil die Lektion zum Gehirn passt.
Über die Autorin
Nadine Stäubli
Fahrlehrerin & ADHS-Coach
Nadine Stäubli hat Weiterbildungen im neurodiversen Lernen absolviert und betreut Fahrschüler:innen mit ADHS und Autismus seit 2018.
