+41 79 585 00 85
NeurodivergenzMental Coaching

Fahrstunden mit ADHS: So funktioniert es wirklich

10. Februar 2026·7 Min Lesezeit

ADHS und Fahrschule – das hört sich nach Konflikt an. Muss es aber nicht sein. Wie ich Lektionen für neurodiverse Schüler:innen aufbaue und warum es so gut funktioniert.

Fahrstunden mit ADHS: So funktioniert es wirklich
Eine Stunde lang konzentriert auf den Verkehr achten, die Schilder lesen, den Gang wechseln, die Spiegel checken und gleichzeitig die Anweisungen der Fahrlehrerin verarbeiten – das ist für ein ADHS-Gehirn ein Marathon. Standard-Fahrschulen ignorieren das. Ich nicht. Ich passe Lektionen so an: **Kürzere Einheiten.** Statt 90 Minuten am Stück fahren wir oft 50 Minuten, mit einer kurzen, klar strukturierten Pause in der Mitte. Das hält die Aufmerksamkeit hoch. **Klare Routinen.** Jede Lektion beginnt gleich: Auto-Check, Sitzposition, kurze Atmung, Lernziel besprechen. Predictability beruhigt das ADHS-Gehirn. **Visuelle Lernhilfen.** Ich arbeite mit Skizzen, Schaubildern und kleinen Whiteboard-Erklärungen statt mit langen verbalen Erklärungen. Das spart Verarbeitungs-Energie. **Pausen-Anweisungen.** Wenn ich merke, dass die Konzentration kippt, sage ich nicht "konzentriere dich". Ich sage: "Atme einmal tief. Wir fahren rechts ran. Eine Minute Pause." Das Ergebnis: Schüler:innen, die in Standard-Schulen drei, vier oder fünf Mal die Prüfung nicht bestanden haben, schaffen es bei mir – oft beim ersten oder zweiten Versuch. Nicht weil ADHS verschwindet, sondern weil die Lektion zum Gehirn passt.
Nadine Stäubli
Über die Autorin

Nadine Stäubli

Fahrlehrerin & ADHS-Coach

Nadine Stäubli hat Weiterbildungen im neurodiversen Lernen absolviert und betreut Fahrschüler:innen mit ADHS und Autismus seit 2018.